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UnserLeben #8 - Familie, Filmkulissen & Geschäfte

Besuch aus Deutschland, Marokkos Hollywood & die Fahrt ins Warme

Cale | | Reisen · UnserLeben

In “UnserLeben #8” begleitest du uns ins Hollywood Marokkos, kommst mit auf Snack-Tour durch die Stadt und erlebst die Sprachbarriere in Marokko hautnah. Außerdem geht’s endlich ins Warme - Richtung Küste!

Ouarzazate - das Hollywood Marokkos

Noch vor 50 Jahren war Ouarzazate eine behagliches Dorf mit gerade einmal 5.000 Einwohnern. Nachdem hier in der Umgebung dutzende Filme und Serien (u.a. Prince of Persia und Game of Thrones) gedreht wurden, ließ der Tourismus-Boom das Örtchen förmlich explodieren: Heute leben in der Kleinstadt mehr als 50.000 Einwohner, es gibt zahlreiche Shops, Märkte und Imbisse - und natürlich unzählige Touristen-Angebote.

Da wir aus dem abgelegenen Osten kommen, müssen wir uns erst einmal daran gewöhnen, hier nur einer unter vielen Touris zu sein. Da die Saison aber noch nicht angefangen hat, ist es immer noch vergleichsweise ruhig. Deshalb haben die Händler und Anwohner viel Zeit für uns - und immer wieder werden wir zum Tee und Snacks eingeladen. Marokkanische Gastfreundschaft eben.

Während der Rest unserer Gruppe nach zwei Tagen weiter Richtung Atlantik zieht, warten Cindy und ich vor den Toren von Ait Benhaddou - einem der am besten erhaltensten alten Lehmdörfer, und mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe.

Ait Benhaddou in Marokko

Ait Benhaddou - (zurecht) ein Touristenmagnet

Der Grund fürs Warten: Mein Bruder und seine Freundin machen im Moment einen Kurzurlaub in Marrakesch, und kommen uns mit einem Mietwagen besuchen. Zusammen besichtigen wir die Kultur- und Filmstädte für zahlreiche Filme, u.a. Gladiator. Wir haben viel zu erzählen - deshalb widmen wir dem Ort wohl weniger Aufmerksamkeit, als ihm gebührt. Aber man freut sich eben riesig, sich nach drei Monaten wiederzusehen. :)

Cale und sein Bruder in Ait Benhaddou

Mein Bruder & ich in Ait Benhaddou

Danach geht’s nach Ouarzazate in die Stadt - Hauptziel: snacken. Also schlendern wir von Fruchtshake-Bar zum Berber-Omelette-Stand, zur Patisserie, dem Sandwich-Laden von nebenan und einem beschaulichen Restaurant, wo wir die Fressorgie mit Harira-Suppe und belegtem Panini beenden.

Auf dem Weg durch die Stadt kommen wir an kleinen Läden vorbei - für mich also wieder Zeit fürs Handeln. Diesmal erstehe ich weitere Tonschüsseln sowie zwei wunderschöne Holzschalen aus der Sahara. Bis ich die guten Stücke in der Hand halte, vergeht eine gute Stunde harten Verhandelns. Fast kommt der Deal nicht zustande, doch am Ende können wir uns darauf einigen, dass ich 10 Dirham (1 Euro) mehr bezahle, wir dafür aber noch alle zusammen einen Tee mit dem Händler trinken. Mein Bruder und seine Freundin amüsieren sich prächtig, und ich bin zufrieden mit dem abgeschlossenen Deal.

Marokkanischer Laden mit Schüsseln und Tajines

Marokkanischer Händler mit Touristen: Tee trinken

Immer mit der Ruhe: ein Glässchen Tee nach dem Deal :)

Erst am späten Abend, gegen 23 Uhr, erreichen wir die Oasis de Fint, 15km südlich von Ouarzazate, wo wir die Nacht verbringen werden. Die Nächte zuvor war es hier idyllisch ruhig, diesmal finden wir jedoch auf unserem geplanten Stellplatz ein großes Zelt und zwei LKW vor. Wir quatschen noch eine ganze Weile, bis wir gegen 3 Uhr morgens letztlich komplett erschöpft in den Schlaf fallen. Während die Mädels im geheizten Bus schlafen, nächtigen mein Bruder und ich im Zelt. Heut’ Nacht ist es zum Glück recht mild.

Oase Fint bei Ouarzazate

Die Oase Fint in der Nähe von Ouarzazate

Oase Fint bei Ouarzazate

Viel Schlaf ist uns aber leider nicht vergönnt: Bereits gegen 7 Uhr werden wir vom Lärm vorbeifahrender LKWs und Mopeds geweckt. Eine halbe Filmkulisse, Requisiten, Buffet und zahlreiche Menschen werden angekarrt - Schauspieler, wie wir erfahren. Man dreht einen englischen Film, den Titel kann uns aber keiner der Anwohner sagen. Um was es in dem Film gehen wird, lässt sich aber leicht erahnen - wir beobachten das Spektakel eine Weile:

Filmset an der Oase: Jesus am Kreuz

Filmset an der Oase: Jesus am Kreuz

Jetzt sind wir auf uns gestellt - Kommunikation mit Hand & Fuß

Unser deutscher Besuch macht sich nach dem Mittag auf den Rückweg nach Marrakesch - für uns also Zeit, unserer Gruppe nachzureisen. 180 km stehen für heute auf dem Plan - das letzte Mal über die Berge, um endlich ins warme Flachland und zur Küste zu gelangen. Da uns der große Grüne diesmal nicht ausbremst, sind wir im Eiltempo unterwegs - das soll heißen mit 70 km/h.

Auf dem Weg halten wir in Taznakht: Die Frauen der Umgebung weben hier in einer selbstgegründeten Kooperative Teppiche aus Schafswolle. Das möchten wir gerne unterstützen - außerdem suchen wir ohnehin nach einem schicken Teppich für den Bus. Wir begeben uns also auf den kleinen Marktplatz direkt an der Straße und schauen uns die Ware an. Keine zwei Minuten später sind wir umringt von mindestens 30 schaulustigen Männern, Frauen und Kindern. Wahrscheinlich kommen hier (um diese Jahreszeit) nicht viele Touristen vorbei, sodass wir heute einmal für die Unterhaltung des Tages sorgen.

Der kleine Teppichmarkt in Taznakht, Marokko

Der kleine Teppichmarkt in Taznakht, Marokko

Das Problem: Die Berber hier sprechen zwar gebrochen Französisch, mit Englisch, Spanisch oder Deutsch kommen wir aber kein bisschen weiter. Also stammeln wir ein paar Brocken Arabisch und Französisch vor uns hin, und versuchen den Rest mit Zeichensprache. Wirklich funktioniert das jedoch nicht. Aus der Menschenblase drängt sich plötzlich ein älterer Mann in traditionellem Berbergewand zu uns durch - er spricht überraschend gut Deutsch und bietet uns seine Hilfe an.

Geduldig übersetzt er das ständige Hin und Her aus Preisvorschlägen und Ablehnung, bis wir nach ca. 15 Minuten letztlich drei wunderschöne Teppiche in den Händen halten. Wir bedanken uns recht herzlich bei den Frauen der Kooperative sowie dem alten Mann. Für seinen ehrenwerten Dienst verlangt er nichts - stattdessen lädt er uns noch zum Tee zu sich nach Hause ein. Marokkanische Gastfreundschaft eben.

Marokkanische Teppiche aus Taznakht

Die drei Teppiche - der beige ziert mittlerweile unser Wohnzimmer

Runter von den Bergen - endlich Wärme!

Wir müssen noch einiges an Strecke packen, also fahren wir “zügig” weiter. Zwischendurch sind wir nochmal auf 1.700 Meter Höhe - wie erwartet, ist es hier superfrisch, und wir bekommen langsam Bammel, dass wir doch nochmal eine kalte Nacht vor uns haben.

Marokko auf 1.600 Metern - Hochplateu

Marokko auf 1.600 Metern - Hochplateu

Straße in den Bergen Marokkos

Ab ins Flachland - jetzt wird's warm!

Kurz vor Sonnenuntergang geht’s dann aber herunter vom Hochplateu, auf dem wir die letzten vier Wochen unterwegs waren. Nun fahren wir innerhalb von 10 Minuten ins Tal auf 200m hinunter - die Temperatur ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit finden wir noch ein ruhiges Plätzchen irgendwo im Nirgendwo. Den Ofen brauchen wir heute zum ersten Mal seit langem nicht - in der Nacht haben wir kuschelige 11 Grad. Endlich, der Winter ist (für uns) vorbei!

Campervan in der Steinwüste in Marokko

Am nächsten Tag geschieht’s: Wir lernen jemanden kennen, mit dem wir bis auf Weiteres zusammen reisen werden. Nun sind wir also zu dritt unterwegs. Wer das ist, erfährst du sehr bald!

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