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UnserLeben #7 - Im Südosten Marokkos unterwegs

Zwischen Kasbahs, Palmenhainen und Kletterschluchten

Cale | | Reisen · UnserLeben

Seit dem letzten “UnserLeben”-Teil ist schon wieder viel zu viel Zeit vergangen: Deshalb hat sich jede Menge angestaut, über das wir berichten müssen. Also, keine Zeit verlieren – und los geht’s!

Von Figuig nach Merzouga – erst Oase, dann die Wüste

Mit dem Campervan an der Oase bei Figuig

Unser Stellplatz an der traumhaften Oase bei Figuig

Die behagliche Stadtoase Figuig ist eine wahre Dattelpalmen-Hochburg, die - im östlichsten Zipfel Marokkos gelegen - in drei von vier Richtungen von Algerien eingegrenzt wird. Nicht nur die Stadt ist sehenswert, ganz besonders hat es uns eine kleine Oase angetan, die einige Kilometer auswärts des Ortes liegt. Dort haben wir einige Nächte verbracht, uns gesonnt, gebadet und Tagesausflüge mit den Rädern unternommen. Die ganze Story zur Oase bei Figuig gibt’s in einem gesonderten Artikel.

Danach machten wir uns auf den Weg Richtung Merzouga. Eine ungepflasterte Abkürzung wollten wir nehmen – doch letztlich wurde diese 60 km lange Piste zu einem zweitägigen Offroad-Abenteuer. Den Artikel samt Video-Montage solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen!

Unsere Reisegruppe in Erg Chebbi

Die 'Gang' in der Wüste Erg Chebbi

Und auch über den anschließenden Aufenthalt in der Sandwüste Erg Chebbi haben wir in einem extra Artikel bereits berichtet. Vier Tage Sand, Spaß & Wüste – und ein steifer Hals. Wenn du die Story noch nicht gelesen hast, dann klick dich rein in den riesigen Natursandkasten Erg Chebbi.

Campervans in der Wüste - Sternhimmel bei Nacht

Dieses wundervolle Wüsten-Nacht-Foto haben wir Christie von deliteindisorder.com zu verdanken

Ab in die Berge - die Schlucht „Gorges du Toudra“

Anschließend verschlägt es uns in eine der bekanntesten Kletter-Regionen Marokkos: Gorges du Toudra.

Obwohl wir erst am späten Abend hier ankommen, wird selbst bei absoluter Dunkelheit sofort klar, dass dieser Ort aufregend, beeindruckend und magisch sein muss: gigantische Felsklippen links und rechts von uns, ein plätschernder Bachlauf im Tal, und ein dreifach widerhallendes Echo. Wir sind so gespannt, das Ganze im Hellen zu sehen.

Obwohl wir also mit großen Erwartungen in den nächsten Tag gehen, war der Anblick der enormen Schlucht am nächsten Morgen nicht weniger faszinierend:

Die Schlucht Gorges du Toudra, Marokko

Gorges du Toudra, Marokko

Gorges du Toudra, Marokko

Kein Wunder, dass sich hier an den Stoßzeiten im Jahr die Touristen förmlich so drängeln. Wir haben aber wieder mal Glück: Während unseres Aufenthalts sind wir mit vereinzelten Tagesbesuchern mit den einheimischen Händlern und Kletter-Guides praktisch alleine. Noch zwei Wochen vorher, die Tage um Neujahr, muss das ganz anders ausgesehen haben.

Campervan-Parkplatz in der Schlucht Gorges du Toudra

Unser Stellplatz inmitten der Schlucht

Zwar sind die Nächte (wieder einmal) recht frisch, und der Wind peitscht immer mal wieder durchs Tal, doch werden wir tagsüber mit Sonne verwöhnt – und haben hier die Möglichkeit, auf einmalige Wanderungen, Radtouren und natürlich… Klettern am Felsen!

Ich möchte mit meinem gestauchten Halswirbel nach wie vor nichts riskieren, und setze daher beim Klettern aus. Cindy wagt sich dafür zum ersten Mal in ihrem Leben an die Wand – und entpuppt sich von Anfang an als wahres Kletter-Naturtalent. Selbst die Erfahrensten unserer Gruppe sind beeindruckt von ihr.

Klettern in Gorges du Toudra, Marokko

Cindy in 25 Metern Höhe an der Wand im Gorges du Toudra

Ich unternahm in der Zwischenzeit eine nicht weniger aufregende Wanderung, auf der unter anderem dieses Bild entstand:

Klippe in Gorges du Toudra, Marokko

Besser nicht ausrutschen: Hier geht's tief hinunter

Kultur muss sein – Kasbah-Besichtigungen bei Skoura

Tagelang sportlich aktiv gewesen, brauchen wir beim Verlassen der Toudra-Schlucht unbedingt alle ein Bad. Also geht’s ab in die nächste Ortschaft zum Hammam.

Marokkanisches Hammam von außen

Marokkanisches Hammam von außen

Zusatzinfo: Bei den Hammams handelt es sich um öffentliche Badeeinrichtungen, in denen die Gäste sich – getrenntgeschlechtlich - in einem vom Fußboden geheizten Raum hinsetzen oder -legen, um sich hier zu waschen, zu schrubben und miteinander zu erzählen. Das Wasser füllt man sich in Eimern ab, um es aus diesen dann mit einem kleinen Becher abzuschöpfen. Nicht zuletzt deshalb dauert der Besuch eines Hammams deutlich länger als das für uns typische Duschen: Viele liegen hier nach dem Waschen auch noch eine gefühlte Ewigkeit auf dem Boden, genießen die Wärme der heißen Fliesen oder essen Mandarinen im Dampfbad. Ich persönlich finde es hier sehr angenehm. Das einzige, was mich stört: Eine Unterhose behält man an – obwohl man ja nur unter Männern/Frauen ist…

Im Anschluss geht’s weiter nach Skoura, einer kleinen gemütlichen Stadt in der Provinz Ouarzazate. Hier steht Kultur auf dem Programm: Wir besichtigen die Kasbah Amerhidil, die im 18. Jahrhundert erbaut, im 20. Jahrhundert grundlegend erneuert und bis heute sorgsam gepflegt wird.
Bei den Kasbahs handelt es sich um Wohnburgen der Berber, deren Gemäuer aus Lehm, Palmstämmen und gepressten Schilf- und Palmmatten bestehen.

Der Eintritt kostet 10 Dh, also 1 Euro - gut investiertes Geld, sieht man hier doch eine der am besten erhaltenen Kasbahs Marokkos.

Die Kasbah Amerhidil von innen

Die Kasbah Amerhidil von innen

Ausstellung innerhalb der Kasbah Amerhidil

Ausstellung innerhalb der Kasbah

Kasbah bei Sonnenuntergang

Die Kasbah bei Sonnenuntergang

Nach dem Besuch lassen wir uns ganz in der Nähe auf einem unbewirtschafteten Feld zwischen Dattelpalmen nieder.

Mit dem Campervan inmitten von Palmen

Am nächsten Tag gibt’s eine ausgiebige Radtour durch die 25 km² großen Palmengärten - zu einer weiteren Kasbah, die allerdings - ohne heutige Wartung - nur noch in Ruinen vor uns liegt:

Eine eingestürzte Kasbah bei Skoura, Marokko

Eine eingestürzte Kasbah bei Skoura, Marokko

Am Abend gibt’s mal wieder Tajine, für die Fleischesser unter uns sogar mit Ziegenfleisch, das wir auf dem Markt erworben haben. Kilopreis: 5 Euro.

Tajine auf dem Feuer

Eine Rarität in Marokko: Wasser in großen Mengen!

Seen und Flüsse haben wir bisher sehr wenige gesehen. Deshalb war es für uns ein Muss, den großen Stausee kurz vor der Stadt Ouarzazate mitzunehmen. Nach kurzer Suche fanden wir hier auch den perfekten Platz: weit genug von der Straße entfernt, um die Stille der Natur zu genießen; unmittelbar am Ufer des Wassers - hier werden wir einige Tage bleiben.

Stausee bei Ouarzazateg

So ein Ausblick aus dem Bett lässt sich auch krank genießen :)

So sehr wie vor allem ich mich als Naturfreak auf diesen Ort gefreut habe, so sehr ärgere ich mich über die Erkältung, die sich nun anbahnte. Komischerweise hat’s Cindy genauso erwischt - Normalerweise werden wir nie zur gleichen Zeit krank, sondern stecken uns nacheinander gegenseitig an… Diesmal bescheren uns die grippeähnlichen Symptome aber drei Tage Zwangs-Auszeit. Naja, wenigstens sind wir an einem schönen, ruhigen Ort - hier lässt es sich gut gesund werden.

Aufblasbare Kayaks auf dem See bei Ouarzazate

Mike & Sönke in ihren aufblasbaren Kayaks

Angeln am Stausee bei Ouarzazate

Angeln bei beeindruckender Szenerie

Die sportlichen Aktivitäten wie Angeln, Yoga und Kayak-Fahren lassen wir uns aber nicht ganz entgehen - auch wenn wir schnell ausgelaugt sind, und uns dann doch wieder mit heißem Zwiebel-Tee ins Auto verkriechen.

Stausee bei Ouarzazate - Sonnenuntergang

So ein Ausblick aus dem Bett lässt sich auch krank genießen :)

Wenigstens ist nach drei Nächten (fast) alles überstanden - nur noch die letzten Nachwehen der Erkältung verfolgen uns. Trotzdem genießen wir noch die letzte Zeit am See, bevor es in die Stadt geht. Dort werden ein paar Tage verbringen, um auf Besuch aus Deutschland zu warten. Aber dazu bald mehr. :-)

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