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UnserLeben #20 - Der (innere) Weg nach Hause

Wie es zum Ende kommt - und Neues beginnt...

Cale | | UnserLeben · Reisen · Ideen

Mit dem 20. Artikel der “UnserLeben”-Serie feiern wir sozusagen Jubiläum! Die Reise kommt zum “Ende” und führt uns vorerst wieder zurück in die Heimat. Aber auch die innere Reise führt nach Hause.

Die letzten Tage in Spanien - am Camino de Santiago del norte

Meine Zeit im Yoga-Center in Nordspanien ist gewissermaßen das abschließende Highlight der Reise gewesen. Nun soll es relativ zügig (innerhalb von zwei Wochen) zurück in die Ecke Westsachsens gehen, die wir unsere Heimat nennen. Bevor ich Spanien verlasse, habe ich aber noch eine kleine Mission - und Freunde zu treffen.

Die “Mission”: Gemeinsam mit Zara, die ich im Yoga-Center kennengelernt habe, möchte ich die Pilgerer auf dem Camino de Santiago (del norte) unterstützen. In typischer Dumpster-Diving-Manier fahren wir ein paar Supermärkte an, um - wie so oft - mehr als reichlich belohnt zu werden. Mit dem Auto voller Gratis-Lebensmittel machen wir uns auf den Weg zur Nordküste und parken direkt am stark frequentierten Wanderweg. Die nächsten zwei Tage ist der Düdo eine Imbissbude der etwas anderen Art - wir kochen Suppen und Tee, servieren Brote mit selbstgemachten Aufstrichen und geben den Pilgerern frisches Obst und jede Menge Liebe mit. Selbstverständlich alles for free, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Karma-Yoga.

Food-Mission am Camino de Santiago

Free Food & Tea - kommt rein, ihr Lieben!

Food-Mission am Camino de Santiago

Guakamole, Suppe & mehr - nur ein Teil des Essensangebots

Aufgrund des fast dauerhaft anhaltenden Regens ist der Andrang zwar geringer als erwartet, trotzdem macht es unheimlich viel Spaß, den Leuten etwas Gutes zu tun - und für uns springen jede Menge interessante Gespräche heraus, und natürlich langen wir auch gerne bei dem tollen Essen mit zu! ;)

Als krönenden Abschluss schlafen wir noch eine Nacht am Strand, mit dem vollen Paket: Sonnenuntergang über dem Meer, Lagerfeuer, Sternenhimmel, Meeresrauschen.

Übernachten am Strand - jedes Mal ein Traum!

Mit Zara am Strand von San Antonin

Wundervoller Sonnenuntergang über dem Meer

Am nächsten Tag verabschieden wir uns - Zara geht zurück ins Yoga-Center, während ich mich mit meinen langjährigen Freunden Beni und Jasmin treffe, die selbst gerade den Camino del norte laufen. Vor lauter Vorfreude passiert mir am Morgen ein kleiner Patzer mit großen Folgen: Nach dem Auffüllen des Motoröls vergesse ich, den Öl-Deckel wieder zuzuschrauben. Ergebnis: zirka 2 Liter Ölverlust, komischer Geruch beim Fahren und ein zugesauter Motorraum. Der Deckel ist nirgends auffindbar, also besorge ich mir in der (zum Glück) naheliegenden Werkstatt einen neuen. Naja, man muss auch mal schusselig sein dürfen…

Meine Freunde Beni und Jasmin (aka Benjasmin)

Beni & Jasmin (aka Benjasmin^^) an der Outdoor-Küche

Zwei Tage und Nächte verbringen wir im Dreiergespann. Wir haben viel zu erzählen - immerhin haben wir uns seit acht Monaten nicht mehr gesehen. Das Wetter ist uns zudem gut gesinnt, also faulenzen wir viel in der Sonne, gehen schwimmen und genießen die schöne Nordküste Spaniens.

Unser Campervan an einer Bucht in Nordspanien

Unser Stellplatz direkt am Atlantik

Nordküste Spaniens

Die spanische Nordküste

Die spanische Nordküste

Die Nordküste Spaniens (keine Ahnung, wo genau)

Das Abschiednehmen leutet für mich dann auch final die fahrintensive Heimreise an. Lust habe ich ganz und gar nicht, doch schon bald wird sich die Heimfahrt als sehr lehrreich, ja sogar schön herausstellen.

Auf der Heimreise - nun also doch ohne Cindy

Ursprünglich hatten Cindy und ich “geplant” (die besten Planer sind wir nicht), dass sie rechtzeitig zurückkommt, sodass wir gemeinsam gen Heimat tuckern können. Nun hat sie aber noch eine vielversprechende Volunteer-Arbeit in einem neu entstehenden Ökodorf in Tenerifa gefunden, und wird deshalb erst am 20. Juni nach Deutschland fliegen, wo wir uns dann endlich wiedersehen werden.

Cindy - der Sonnenschein in Gestalt eines Menschens :)

Cindy - der Sonnenschein in Gestalt eines Menschens :)

Vielleicht gehörst du zu den Lesern, die sich fragen, was genau gerade bei uns geschieht? Eigentlich ist das ganz einfach zu erklären, aber vielleicht nicht leicht zu verstehen: Auf irdischer Ebene möchten wir uns (lokalen) Abstand und Freiheit geben, damit jeder sich individuell weiterentwickeln kann, während wir auf spiritueller Ebene enger zusammengewachsen sind als je zuvor. Wir opfern teilweise die Beziehung unserer Egos, um uns wahrhaftiger zu lieben. Das macht keinen Sinn für dich? Egal, manche Dinge müssen nicht “verstanden” werden. :-) Einfach ausgedrückt: Es ist alles gut, es könnte kaum besser sein.

Wie auch immer, zumindest muss ich die ca. 2.000 km Fahrt nun als Fahrer “alleine” stemmen. Ich versuche, die Etappen sinnvoll einzuteilen, um die 12 Tage nicht nur am Steuer zu verbringen. Generell möchte ich nicht nur Straßen, Städte und Raststätten, sondern auch die Schönheit Frankreichs erleben. Also fahre ich gezielt vielversprechende Orte in der Natur an, vorrangig Plätze mit Wasserzugang - denn ich bekomme auf der Heimfahrt nochmal deutlich mehr Sonne und Hitze ab als zuletzt in Nordspanien. Jeden Tag um die 30 Grad, und fast durchgehend strahlend-blauer Himmel.

Stop and Go auf französischen Straßen

Stau - immer wieder eine tolle Geduldsprobe ;)

Zahlreiche Absätze könnte ich den wundervollen Schlafplätzen, den gelegentlichen Begegnungen und den gemeinsamen Abenden mit Franzosen und anderen Reisenden und den unzähligen Fahrstunden widmen. Da ich aber noch einiges über “meine innere Reise nach Hause” erzählen (s.u.) und den Rahmen dieses Artikels nicht völlig sprengen möchte, belasse ich es an dieser Stelle bei hoffentlich aussagekräftigen Fotos

Mit dem Campervan in Frankreich - hier direkt am See

Entspannter Stellplatz direkt am See im Herzen Frankreichs

Die einfache Schönheit der vom Mensch veränderten Natur

Wundervoller Sonnenuntergang über einem See

Frieden & Harmonie - Sonnenuntergang am See

Waschtag im Camper-Style

Waschtag am See

Der kleine Hund Shanti mit seinem Snack des Tages: Brot

Shanti & sein Brot - immer wieder herzerweichend

Wunderschöner See im Osten Frankreichs

Und noch ein See in Frankreich :)

Gitarre spielen am See - was für ein Genuss

Achja, meinen ersten Abend in Deutschland verbringe ich übrigens in Freiburg. Das Schicksal führt mich zu einem alternativen Musik-Festival im selbstverwalteten Wohnprojekt “SUSI”:

Behörden? Nein, danke!

'Willkommensschild' zur Party :D

Die Hochburg der Alternativen - das Wohnprojekt SUSI

Ein Ausschnitt von SUSI in Freiburg

Spirituelle Erkenntnis - die Reise nach innen

Zugegeben: Auch wenn ich mir im Voraus vorgenommen habe, die Zeit alleine bestmöglich für spirituelle Arbeit zu nutzen, habe ich mir nicht wirklich erhofft, dass fahrintensive Tage auf der Straße mir nennenswert mehr Bewusstsein bringen würden. Doch manchmal kommen die Dinge eben genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet…

Gewiss haben mich die drei Wochen im Yoga-Center weitergebracht und mir eine gute Basis für Weiterentwicklung gegeben. Ebenfalls sehr hilfreich ist es, niemanden zum Ablenken zu haben - und schlichtweg “mit sich alleine klarkommen” zu müssen. Warum auch immer, lerne ich in den Tagen der “Heimreise” unglaublich viel über mich und das Leben.

Jeden Morgen praktiziere ich zwischen zwei bis drei Stunden Yoga (meist Ashtanga Vinyasa), und danach sowie am Abend meditiere ich. Darüber hinaus versuche ich, über den gesamten Tag einen meditativen Zustand beizubehalten bei allem, was ich tue: Ob ich gehe, am Steuer sitze, esse oder die Natur bewundere - ich versuche, körperliche Empfindungen, Gedanken, den Atem, die in Stille eingebetteten Geräusche und/oder den Raum um mich herum wahrzunehmen. Auf diese Weise bleibe ich im Moment, und hindere meinen Verstand daran, meine Aufmerksamkeit mit Überlegungen in die Vergangenheit oder Zukunft zu lenken.

Meditation am Meer

Meditation - ein unglaublich mächtiges Werkzeug

Geistige und energetische Inspiration für diese Praxis habe ich vor allem dem faszinierenden und unglaublich tiefgründigen Buch “Jetzt - die Kraft der Gegenwart” von Eckhart Tolle zu verdanken, das ich während den Fahrtzeiten als Hörbuch abspiele. Obwohl ich dieses bereits einmal angehört habe, verstehe ich doch vieles erst jetzt beim zweiten Mal. Beim Zuhören erwische ich mich immer wieder dabei, wie sprachlos ich von der Tiefsinnigkeit und Ausgereiftheit der Gedanken Eckhart Tolles bin. Für mich ist das Buch definitiv eines der lehrreichsten Werke, die ich mir je zu Gemüte geführt habe. Dass ich dies ausnahmslos jedem Menschen zutiefst ans Herzen lege, muss an dieser Stelle wohl kaum mehr erwähnt werden. (Ein extra Buch-Tipp-Artikel dazu wird gewiss noch folgen.)

Meine konkreten Erkenntnisse und Erfahrungen darzulegen, fiele mir zum einen recht schwer - insbesondere in Textform -, zum anderen gibt es dazu an dieser Stelle wohl auch keine Notwendigkeit. Lass mich an dieser Stelle so viel sagen: Ich habe ein neues Level an Bewusstsein gewonnen. Es fühlt sich so an, als bin ich langsam aber sicher auf dem Weg nach Hause… :)

Na gut, und wie geht’s jetzt weiter?

Kommen wir zurück zu dem, was die meisten Menschen als “das echte Leben” bezeichnen - das Leben der Formen auf Erden. Hier bin ich ein junger Reisender, der mit seinem Campervan - nun mit Vierbeiner im Gepäck - nach acht Monaten wieder zurück in die Heimat kommt. Vielleicht fragst du dich, ob das Reisen damit ein Ende hat. Lass dir versichert sein: gewiss nicht!

Anlass, um wieder nach Deutschland zurückzukehren, ist zum einen das Moshair Festival in meinem Heimatdorf: Hier bin ich jedes Jahr dabei - als Helfer und Besucher.

Moshair Festival: Banner

Das Moshair Festival in Fraureuth bei Zwickau (Sachsen)

Viele meiner alten Freunde und Bekannte treffe ich hier wieder, und verbringe ein Wochenende in weltlichen Freuden, mit Musik, Bier und allem, was dazu gehört. Dieses Jahr werde ich zudem einen kleinen Verkaufsstand mit meinen Handelswaren aus Marokko organisieren, und gewiss auch die eine oder andere Yoga-Stunde geben - wie immer kostenlos, mit der Möglichkeit zu spenden. Falls du also dieses Wochenende (vom 23. - 25. Juni) noch nichts vorhast, dann schau doch vorbei! Es lohnt sich gewiss!

Außerdem bedeutet Heimat natürlich auch großes Wiedersehen von Freunden und Familie, worauf ich mich schon sehr freue. Auch meine wundervolle Cindy endlich wieder in meine Arme zu schließen, kann ich kaum mehr erwarten.

Neben einigen Reparaturen/Pflegearbeiten und eventuellen Umbauten am Fahrzeug stehen außerdem schon die nächsten Reisen in den Startlöchern. Natürlich werden wir dich auf dem Laufenden halten. <3

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