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UnserLeben #19 - Drei Wochen im Yoga-Center in Nordspanien

Freiwilligenarbeit im Ashtanga-Vinyasa-Center am Rande der Picos de Europa

Cale | | Reisen · ÜberUns · Yoga

Über das Arbeitsaustausch-Netzwerk HelpX kam ich als Volunteer-Worker zum Ashtanga-Vinyasa-Yoga-Center in Asturias, Nordspanien. Arbeitsreich, lehrreich und berührend waren die drei Wochen als Arbeiter und Schüler.

Ein Yoga-Center am Rande des Naturparks - AsturiasYoga.com

Wanderung durch die Natur, Picos de Europa

Exkursion am Rande der Picos de Europa

Das weitläufige Areal des Yoga-Centers liegt am Fuße des Naturparks “Picos de Europa” inzwischen von kommunalen Weideland, eingebettet in eine wundervolle grüne Natur, die als die Gegend mit der höchsten Biodiversität ganz Europas gilt.

Simon und Aly von AsturiasYoga.com mit mir, Cale

Yoga-Lehrer, Chefs und Freunde - Simon & Aly

Hier leben die US-Amerikanerin Aly und der Ire Simon seit etwa 10 Jahren. Insgesamt haben sie drei alte Ruinen renoviert: Das Haupthaus birgt das Zentrum des Yoga-Centers - die Shala, in der jeden Tag Yoga praktiziert und unterrichtet wird. Im Gästehaus schlafen Besucher und wird gemeinsam gespeist, während die dritte alte Scheune hauptsächlich als Lagerraum und rustikales Schlafgemach für die beiden dient.

Campervan Eddie im Yoga-Center AsturiasYoga

Mein Stellplatz direkt im Kern des Centers

Auf der weitläufigen Weide finden neben einem Pferd zwei große Zelte Platz, die ebenfalls als Übernachtungsmöglichkeit für die Retreat-Gäste genutzt werden. Umrahmt wird das Areal von beeindruckenden grünen Gebirgszügen.

Große Weide des Ashtanga-Yoga-Centers

Die Weide des großen Areals

Von Frühling bis Herbst werden einwöchige Yoga-Retreats angeboten, während auch in der Zeit dazwischen dreimal wöchentlich öffentliche Yoga-Stunden im Mysore-Stil gegeben werden. An allen anderen Tagen praktizieren Simon und Aly, die beide eine Ashtanga-Yoga-Lehrerausbildung über 500 Stunden in Indien absolviert haben, für sich - natürlich sind auch hier jederzeit Gäste willkommen. Generell empfinden sie das Land nicht als ihr Eigentum, sondern als Teil der Kommune. Jeder kann kommen und gehen, wann er will.

Meine Arbeit im Ashtanga-Yoga-Center

Und hier bin ich nun. Während meines dreiwöchigen Aufenthalts finden zwei Retreats über je sechs Tage statt, die ich tatkräftig unterstütze. Zu meinen Hauptaufgaben zählt das Vorbereiten, Kochen und Servieren der Speisen, Instandhaltung & Reinigung der Räume und insbesondere der Yoga-Shala sowie das generelle Betreuen der Gäste. Die retreat-freien Tage verbringe ich hauptsächlich mit Gartenarbeiten, Vorbereitungen für die Retreats sowie körperlich ertüchtigenden Aufgaben, etwa eine Steinmauer zu bauen oder Holz zu sägen.

Abendbrot im Yoga-Center - eine der täglichen Aufgaben

Eine meiner Hauptaufgaben: Speisen wie diese zubereiten

Wenn immer ich ein Yoga-Center als Volunteer unterstütze, empfinde ich meine Tätigkeiten aber weniger als Arbeit als vielmehr dem Beitragen für einen höheren Zweck. Es ist Karma-Yoga: wohltätige Arbeit, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Es gibt für mich kaum etwas Schöneres, als die Gäste bei ihrem Streben nach intensiver Yoga-Praxis und Spiritualität zu unterstützen.

Mein persönliches Highlight bleibt natürlich aber die Möglichkeit, selbst den Yoga-Stunden als Schüler beizuwohnen - insbesondere unter solch erfahrenen Yoga-Lehrern. Deshalb lege ich alle anfallenden Aufgaben so, dass ich an der morgendlichen Meditation und Ashtanga-Stunde, dem Ashtanga-Workshop am Nachmittag und dem Philosophie-Diskurs am Abend teilnehmen kann. Dementsprechend voll und anstrengend ist mein Tagesablauf, aber eben auch genauso erfahrungs- und lehrreich.

Volunteer-Worker Zara an ihrem Zelt

Die zweite Freiwillige im Center: Zara

Ab der zweiten Woche unterstützt mich Zara, eine Radreisende aus England, bei meiner Arbeit, was den Tagesrhythmus um Einiges entspannter macht. Auch sie wird einige Wochen im Yoga-Center als Volunteer mithelfen. Wir haben uns schnell angefreundet und verbringen bald auch abseits der Arbeit viel Zeit miteinander.

Ashtanga Vinyasa - eine neue Yoga-Form für mich

Seit einigen Jahren praktiziere ich leidenschaftlich Yoga, ohne mich bisher auf einen konkreten Stil festgelegt zu haben. Meine Stunden lehnen sich tendenziell an traditionelleres Hatha-Yoga an, jedoch über die letzten Monate immer mehr durch dynamische Elemente beeinflusst. Auch wenn ich schon mehrfach mit Ashtanga Vinyasa Yoga in Kontakt gekommen bin, habe ich diesen Yoga-Stil bisher noch nie selbst praktiziert.

Hier im Yoga-Center habe ich die Chance, mich über drei Wochen hinweg täglich dem Ashtanga zu widmen. Doch was zeichnet diesen Stil überhaupt aus?

Die Yoga-Shala des Ashtanga-Vinyasa-Centers

Tägliche Praxis in der wundervollen Yoga-Shala

Zum einen sind die Asanas einer Yoga-Stunde im Ashtanga Vinyasa Yoga stets vorgeschrieben: Es gibt mehrere verschiedene Asana-Serien, die man erlernen kann - beginnend mit der Primary Series, die bereits so herausfordernd ist, dass das Erlernen dieser meist mehrere Monate bis Jahre andauert.

Zum anderen sind die Asanas über sogenannte Vinyasas verbunden - flüssige Transformationen von einer Pose zur nächsten. Jede Bewegung ist an einen Atemzug geknüpft.

Darüber hinaus sind praktisch sämtliche Elemente der Praxis festgelegt: von den Mantras über den Blickpunkt (Drishti) bis hin zur Anzahl an Atemzügen in einem bestimmten Asana. Bei den meisten anderen Yoga-Stilen ist der Inhalt einer Stunde größtenteils vom Lehrer abhängig. Im Ashtanga-Yoga ist der Lehrer praktisch “nur” für die Hilfestellung und Korrektur der Haltung verantwortlich (Stichwort “Mysore-Stil”).

Yoga-Asana Garbha Pindasana aus der Primary Series im Ashtanga Vinyasa Yoga

Workshop-Experimente mit Garbha Pindasana, eine merkwürdige Pose

Generell ist Ashtanga Vinyasa ein sehr anspruchsvoller Yoga-Stil, der dem Schüler sowohl körperlich als auch mental enorm viel abverlangt. Dass sich die Asanas in jeder Stunde wiederholen, macht es zum einen leichter, eigene Fort-/Rückschritte zu reflektieren, und erlaubt zum anderen einen größeren Fokus auf die Praxis selbst als auf die Gestaltung der Stunde.

Mein persönliches Fazit: Von der ersten Stunde an empfand ich die Praxis gleichermaßen herausfordernd wie befriedigend. Körperlich bin ich an meine Grenzen gegangen, während ich geistig und spirituell enorm gewachsen bin. Dass drei Wochen der intensiven Praxis “meinen” Yoga-Stil beeinflussen würden, war mir bereits im Vornherein klar. Überraschend ist für mich aber, wie sehr Ashtanga Vinyasa Yoga mich eingenommen hat. So kann ich mir jetzt - im Nachhinein - durchaus vorstellen, mich in Zukunft auf diesen Stil zu fokussieren - aber das wird erst die Zeit zeigen.

In jedem Fall bin ich unendlich dankbar für die Zeit, die ich mit Simon und Aly, Zara und den zahlreichen Gästen im Yoga-Center verbringen konnte. Ich habe enorm viel gelernt und mich weitergebildet. Wieder ein großer Schritt auf meinem persönlichen Pfad des Lebens - mit noch unzähligen weiteren zu gehen. :)

Sonnenuntergang über den Picos de Europa

Sonnenuntergang über den Picos de Europa

Meine liebe Cindy ist übrigens in der Zwischenzeit auf Teneriffa mit dem Backpack unterwegs, und sammelt dort auch als Volunteer zahlreiche einzigartige Erfahrungen. Sporadische Updates dazu bekommst du u.a. auf unserer Instagram-Seite. Wie es dazu gekommen ist und was sie dort so erlebt, werden wir dir natürlich zeitnah auf unserem Blog verraten! :) Stay tuned.

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