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UnserLeben #18 - Gesellige Zeiten am Praia Barranco

Mehr Abenteuer, mehr Action, weniger Plan, weniger Struktur

Cale | | Reisen · UnserLeben

Nur noch zu zweit unterwegs zu sein, verändert einiges. Nun läuft’s wieder spontaner und chaotischer zu, und unsere Tischgefährten sind jeden Tag andere. Und das hier im Südwesten Portugals - uns gefällt’s!

Wieder alleine unterwegs - wieso, weshalb, warum

Unser Mercedes-Düdo Eddie auf dem Feldweg

Eddie auf sich allein gestellt - wieder zu zweit on the road

Die letzten vier Monate waren wir bis auf ein paar Wochen immer in der Gruppe unterwegs - zeitweise bis zu acht Leute in fünf Campern, zuletzt nur noch mit Sönke. Vor der Reise hätten wir niemals gedacht, dass wir über so lange Zeiträume in Gruppen reisen würden. Wie so vieles auf Reisen, hat sich das letztlich aber einfach und spontan ergeben.

In der Gruppe ist vieles einfacher - ob kochen, Feuerholz sammeln, Gesellschaft finden oder sprachliche Hürden überwinden. Dafür ist es aber auch unspektakulärer, eintöniger - bald scheint alles geplant und vorhersehbar. Mit der Zeit schafft das Verweilen in der immerselben Menschengruppe eine Blase - wir tendieren dazu, lieber das Gewohnte als das Aufregende zu wählen. Außerdem wirkt eine eingesessene Gruppe verschlossen - man kommt deutlich seltener in Kontakt mit anderen Reisenden.

So sehr wie wir die Zeit mit den Jungs und Mädels genossen haben, sehnten wir uns mittlerweile nach der spontanen Freiheit des Reisens. Wir brauchen die Ungewissheit, das planungslose Reisen - ohne Absprachen, aus dem Bauch heraus.
Deshalb reisen wir nun wieder zu zweit. Und es fühlt sich gut an. Es ist aufregend und abwechslungsreich. Ich fühle mich lebendig.

Ich hoffe, es geht gerade jedem “unserer Crew” so: Christie & Philipp, Mike & Lily, Sönke und Olli. Fühlt euch gegrüßt. Es war eine schöne, einmalige Zeit.

Gesellige Tage am “Plage de hippie super cool” - Praia Barranco

Wenn wir Stellplatz-Anregungen brauchen, schaue ich meistens bei park4night.com vorbei - der Praia Barranco zwischen Largos und Sagres wird hier mit 4,5 Sternen in über 30 Kommentaren gepriesen. Ich erzähle das nur, weil wir durch die dortige Platzbeschreibung schon einen Spitznamen für den Praia Barranco haben, bevor wir überhaupt da sind: “plage de hippie super cool”. Das klingt vielversprechend.

Die Piste zum relativ abgelegenen Strand ist für uns komfortabel - sind wir doch nun marrokanische Verhältnisse gewohnt. Das letzte Stück ist gepflastert - zahlreiche Steine sind lose, andere fehlen ganz. Wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb sich hierhin wenige Komfort-Camper verirren.

Straße zum Praia Barranco

Die Straße ins Paradies? Anfahrt zum Praia Barranco

Außerdem gibt’s in der Bucht keinen Handyempfang. Dafür - und vielleicht deshalb - aber eine wunderschöne Atmosphäre: Schon bei der Ankunft winken uns einige der Camper, vorwiegend mit bodenständigen Fahrzeugen und Oldtimern, entgegen. Wir fühlen uns direkt wohl, auch wenn die Stellfläche (seit einem halben Jahr) mit großen Steinen auf den Parkplatz minimiert wurde. Trotzdem ist es recht ruhig, Platz gibt es genügend.

Die Bucht von Praia Barranco

Die Bucht vom Praia Barranco

Die mittelgroße Bucht mündet über einen schönen, breiten Sandstrand ins türkisfarbene Meer - eingeschlossen von steilen, begrünten Hügeln, die der See schroffe Steilklippen entgegenstellen. Es ist traumhaft. Optimal zum Wandern, Genießen und Verweilen.

Der Strand mit Parkplatz - Praia Barranco

Der Strand mit Parkplatz - Praia Barranco

Wir lernen ein deutsches Paar kennen, noch recht jung, nur für kurze Zeit im Lande, und mit einem Mietwagen unterwegs. Ein Zelt haben sie nicht, stattdessen schlafen sie nur mit Schlafsack draußen - auch wenn sie die feuchte Kälte in der Nacht noch ins Auto zurückverdrängt. Nicht die typischste Art Camper also, aber angenehme Gesellen für einen Abend am Lagerfeuer. Cindy und ich schlafen heute auch draußen, zwischen Düne und Meer - unmittelbar am Wasser.

Cale und Shanti im Schlafsack am Strand

Zusammen im Schlafsack - kuscheln am Strand :3

Sonnenaufgang über dem Meer, am Praia Barranco

So wachen wir auf - beim Sonnenaufgang am Meer

Am nächsten Tag machen wir Bekanntschaft mit Kevin, Olivia und Zophie, ihrem T3-Bus. Die zwei sind nicht zum ersten Mal hier und erzählen uns, wie ungewöhnlich Barranco gerade sei: Fast alle Dauer- und Immer-wieder-Gäste seien zum Freekuency-Festival gefahren, im Vergleich zu sonst sei hier gerade tote Hose. Die Erzählungen der beiden erinnern an eine kleine Hippie-Kommune wie San Pedro in Spanien. Ein kleines wechselhaftes Dorf der alternativen Busreisenden und Backpacker. Für mich klingt das wie der optimale Platz, und der Vorgeschmack macht Lust auf mehr: Vielleicht fahre ich nochmal hierunter, wenn ich ab nächster Woche nur noch mit Shanti durch Portugal “düse”: Cindy wird einen Yoga Retreat Center bei Coimbra drei Wochen lang als Volunteer unterstützen. Aber das ist schon wieder Zukunftsmusik.

Gruppenbild vor dem VW T3 am Praia Barranco

Gruppenbild mit Kevin & Olivia vor Ihrem T3-Bus

Wir verbringen den Nachmittag und Abend mit den beiden und ihren zwei Freunden. Ich genieße die soziale Abwechslung. Es ist immer wieder schön, so viele Gleichgesinnte kennenzulernen. Als Backpacker war das für mich an der Tagesordnung.
Nach Sonnenuntergang kommt noch eine Gruppe englischsprachiger Reisender an den Strand, um eine Barbecue-Fete zu schmeißen. Die meisten sind Australier, ein paar Engländer und ein Kanadier. Es ist ein amüsanter, feuchtfröhlicher Abend am Strand. Mit Francis, dem Kanadier auf Eurotrip, sitze ich letztlich noch bis in die späten Stunden am Strand - wir sprechen über das Leben, Gefühle, Wahrheit und Spiritualität. Ein offener Kerl mit vielen guten Fragen und interessanten Denkanstößen.

Langsam aber sicher gen Norden - immer dem Naturpark entlang

Am nächsten Tag brechen wir auf. Wie gesagt, in wenigen Tagen beginnt Cindys Retreat. Lieber fahren wir jeden Tag kleine Etappen, als stundenlang am Steuer zu sitzen.

So schlängeln wir uns - mit gewohnt vielen Zwischenstops, etwa zum Containern, Ölfang oder um Tramper aufzugabeln - nur knapp 20 km weiter, aber immerhin sind wir nun an der Westküste Portugals angelangt! ;) Eine kleine Bucht (Praia da Barriga), total abgelegen, fast für uns alleine.

Praia Barriga an der Westküste Portugals

Praia da Barriga und die umliegende Küste

Nur Pierre schläft mit seinem Zelt am Strand - ein junger Franzose, der in Lissabon lebt, und an diesem Strand die Auszeit bekommt, die er ab und an braucht. Mit ihm haben wir wieder nette Gesellschaft. Insgesamt erinnert mich der Menschenschlag (der Reisenden) in dieser Ecke sehr an die Traveller in Andalusien, die ich auf meinen Reisen getroffen habe. Man ist sich auf Anhieb sympathisch - Materielles ist unbedeutend, die Natur und Freiheit sind entscheidend.

Portugal: Sonnenuntergang am Praia da Barriga

Sonnenuntergang am Praia Barriga - die Ruhe vor dem Sturm

Am nächsten Morgen stürmt es. Starker Wind ist hier an der Küste keine Seltenheit, Pierre meint aber, er habe noch nie so einen Sturm in dieser Bucht erlebt. Was soll’s, wir müssen sowieso ein Stück ins Inland, um mobilen Internetzugriff zu haben: So wird die Strähne an entspannten Reisentagen mal wieder von einem arbeitsreichen Tag durchbrochen. Die meiste Zeit verbringen wir also am Computer. Aber das ist okay - Arbeit muss eben auch sein… :>

So schlängeln wir uns langsam aber sicher weiter nach Aljezur und von dort aus Richtung Odemira. Die Strecke führt die gesamte Zeit durch den Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina. Auch wenn in großen Abschnitten nur Monokultur-Wald, ist es doch schön, endlich wieder von Bäumen umgeben zu sein, so weit wie das Auge reicht. Und das Beste: Zahlreiche Pisten und kleine Straßen führen direkt durch die Wälder und die ländliche Natur. Fast überall können wir mit unserem Düdo hinfahren - wenn es bei den sandverwehten Waldwegen und schlammigen Feldabschnitten auch teilweise knapp wird.

Unser Camper-Düdo im Naturpark

Eddie und der Wald...

Insgesamt gefällt uns der Südwesten Portugals bisher wunderbar. Das Reisen hier macht einfach Spaß!

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