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Unser erstes Offroad-Abenteuer in Marokko

Mit dem Campervan auf Marokkos Wüsten-Pisten

Cale | | Reisen

Es sollte eigentlich nur eine Abkürzung werden. Eine leicht befahrbare, befestigte Piste - doch es wurde zum ersten echten Offroad-Abenteuer, das wir mit unserem Campervan erlebt haben: 60 Kilometer über Wüstengrund, Steinpisten, Flussbetten und Schlammlöcher. Eineinhalb Tage hat’s gedauert, und jede Menge Spaß gemacht.

Mit dem Mercedes 407 Düdo offroad durch Marokko

Mercedes-Benz Düdo in der Wüste, Marokko

Mit dem Düdo durch die Wüste Marokkos

Von Figuig aus wollten wir weiter Richtung Er Rachidia. Es gab zwei Optionen: entweder 105 km über die normale Straße (N17 -> N10) via Bouarfa oder 63 km offroad auf der Piste R602. Na klar wählten wir zweiteres - Abenteuer ist immer gut.

Dem Buch “Reisehandbuch Marokko: Marokko zum selbst erfahren” von Edith Kohlbach zufolge sollte es nur eine Flussbett-Querung geben und der Weg leicht zugänglich sein. Auf die ersten 5 km traf das absolut zu, dann wurde es bereits holprig. Aber alles noch im Rahmen.

Offroad mit Düdo in Marokko

Nach weniger als 10 km mussten wir bereits das erste trockene Flussbett ausbessern, um mit unseren 3,5t-Düdos und dem kleinen Peugeot unserer französischen Freunde weiterzukommen.

Offroad durch Flussbett fahren

Offroad mit dem Campervan: Quer durchs Flussbett

Immer wieder gabelte sich der Weg auf, und unsere GPS-Karte stellte sich als nicht ganz exakt heraus. Teilweise waren Passagen des ursprünglichen Weges nicht mehr befahrbar, sodass wir mehrfach von der eigentlichen Strecke abweichen mussten.

Marokko: Wüsten-Straße

50-50-Chance - welcher ist der richtige Weg?

So geschah es, dass unser Mercedes-Bus Eddie und wir einmal den falschen Weg einschlugen und so an einer kleinen Siedlung aus drei Häusern ankamen. Hier war die Straße deutlich schlammiger, weshalb wir beschlossen, umzukehren. Und da war’s auch schon passiert: Einmal nicht aufgepasst und schon waren wir felgentief eingesunken.

Offroad mit Mercedes Benz 407 - im Schlamm stecken geblieben

Marokkanische Manpower und eine Slackline

Während Mike mit seinem Moped zurückfuhr, um die anderen zu holen, fingen Cindy und ich bereits an, die Räder freizugraben. Bereits nach wenigen Minuten hatten sich wohl alle Anwohner der kleinen Siedlung um uns versammelt: Die Kinder trugen Steine und kleine Sträucher zusammen, während die Männer mit ihren Schaufeln, Ästen und bloßen Händen halfen, das Auto freizugraben.

Marokkaner helfen beim Freischaufeln eines Düdo

Verständigen konnten wir uns mit ihnen nicht, da sie kein Französisch sprachen. Aber das Problem war ja recht offensichtlich, von daher war die Absprache auch ohne Worte kein Problem.

Die Räder freigegraben und die Rinne mit Steinen und Büschen ausgelegt, versuchte ich es: 1. Gang, 4 Leute schoben unterstützend - 30 cm haben wir es geschafft, bis wir wieder versunken waren.

In der Zwischenzeit war Philipp mit Sönkes baugleichem Mercedes 407 gekommen, mit dem er uns aus dem Schlamm ziehen wollte. Da der Weg 10 Meter vor uns noch weiter schlammig war, reichte ein Abschleppseil nicht - da kam unsere 15m-Slackline zum Einsatz. Auf diese Weise hat’s beim zweiten Anlauf dann auch geklappt.

Düdo zieht Düdo raus - mit einer Slackline

Düdo zieht Düdo raus - mit einer Slackline

Wir waren glücklich, und die marokkanischen Dorfbewohner hatten Unterhaltung - und bekamen als Dankeschön Süßigkeiten, zwei Kuscheltiere und ein paar Dirham.

Offroad-Adventure: Schaufel statt Lenkrad - wir bauen eine Straße!

Offroad mit Mercedes Benz 407 Düdo

Danach wurde die “Straße” aber nicht besser: Meist konnten wir nur 500 Meter fahren, bis wir wieder rausmussten, um Krater und Flussbetten auszubessern. Von letzteren sollten nämlich noch neun weitere folgen! Deshalb verbrachten wir letztlich mehr Zeit außerhalb des Fahrzeuges als am Steuer - und legten im Schnitt nicht einmal 5 Kilometer in der Stunde zurück.

Offroad-Strecke mit Spaten befahrbar machen

In Teamwork ist so ein Flussbett in einer Viertelstunde befahrbar gemacht

Immer wieder kamen in der Umgebung oder als Nomaden lebende Marrokaner vorbei und halfen uns, die Straße befahrbar zu machen. Auch das Militär stand uns helfend zur Seite - was hier in Marokko schon oft der Fall war, aber diesem Thema werde ich noch einen gesonderten Artikel widmen.

Offroad: Durch Sand & Matsch mit dem Camper

Sand + Schlamm + Bodenwellen = nicht 100% optimal

Philipps Düdo mit Hochdach und Anhänger ist der schwerste und langsamste - für ihn waren steile Anfahrten am Ende von Flussbetten ein Problem. Und Mikes Mini-Campervan hat kaum Federweg, geschweige denn Bodenfreiheit. Er setzte letztlich auch einige Male auf, und musste in einer Flussüberquerung auch von mir (wieder mit Slackline) rausgezogen werden, aber letztlich schafften wir den gesamten Weg ohne nennenswerte Schäden.

Peugeot J9: Der zerbrechlichste Campervan unserer Gruppe

Der zerbrechlichste Campervan unserer Gruppe - die 'Zen Snail' Peugoet J9

Da wir mit einer einfacheren Strecke gerechnet hatten, waren nur ca. 3 Stunden angesetzt. Letztlich dauerte es eineinhalb Tage, bis wir die 60km durchquert hatten. Die Nacht verbrachten wir also in dem fast menschenleeren Tal - bei winterlich kühlen Temperaturen, dafür aber absoluter Stille und einem umwerfenden Sternhimmel. Dafür alleine hat sich das Abenteuer schon gelohnt. Aber auch nur des Abenteuers wegen würde ich es wieder machen. ;-)

Mit dem Campervan in der Wüste Marokkos übernachten

Mitten im Nirgendwo: Unser Rastplatz in der Steppen-Wüste

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