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San Pedro - Hippie-Strand in Spanien

Ein kleines Paradies, in dem die Zeit langsamer tickt

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Im Herzen des Naturparks Cabo de Gata in Andalusien, Spanien liegt er: der Hippie-Strand in der Bucht San Pedro. Ein wahrer Geheimtipp für alternative Reisende, die (zeitweise) dem Trubel unserer Gesellschaft entfliehen wollen.

Cala San Pedro - eine Strand-Oase mit Palmen und Hippies

Cala San Pedro in Andalusien, Spanien

Die Bucht San Pedro in Andalusien, Spanien

Die versteckte Bucht von San Pedro ist nur zu Fuß oder zu Boot zu erreichen. Umgeben vom Naturpark Cabo de Gata, findest du hier eine Oase der Freiheit und Entspannung.

Ursprünglich hatten die Araber vor einigen Hundert Jahren hier eine Niederlassung - aus dieser Zeit stammt die alte Burgruine, die - größtenteils eingestürzt - auch noch heute in der San-Pedro-Bucht steht.

Die Burgruine am Hippie-Strand San Pedro

Die Burgruine am Hippie-Strand San Pedro

Vor einigen Jahrzehnten entdeckten Freiheitssuchende das kleine Paradies wieder und bauten sich kleine Hütten aus den vorhandenen Naturmaterialien (Steine, Palmenblätter und Erde).

Eine Hütte der Anwohner in San Pedro

Eine klassische San-Pedro-Hütte aus Stein und Palmenwedeln

Mittlerweile leben hier schätzungsweise 50 - 100 Menschen dauerhaft, vorrangig Gesellschaftsflüchtende, Alt- und Neu-Hippies und Alternative. Darüber hinaus gibt’s in San Pedro eine Menge Wanderbesuch: Viele Backpacker kommen hierher, um für ein paar Tage oder Wochen ihr Zelt aufzuschlagen. Ich selbst verbrachte auf meiner Backpacking-Reise durch Spanien zwei Wochen In San Pedro, die ich noch heute zu den besten Zeiten auf Reisen zähle.

Das abgeschiedene Leben hier ist deshalb möglich, da es eine natürliche Wasserquelle gibt, die Pflanzen und Menschen das ganze Jahr über mit bestem Trinkwasser versorgen.

Die Wasserquelle am Strand von San Pedro

Die Wasserquelle im Herzen der Strand-Oase

In puncto Nahrung findet sich hier und in der umgebenden Natur aber kaum etwas: Neben ein paar Karobbäumen und essbaren Kakteen ist das Meer die einzige wirkliche Futterquelle. Einige der Anwohner bauen Gemüse in kleinen Gärten an, und halten ein paar Tiere, insbesondere Hühner. Der reisende Gast sollte also Verpflegung mitbringen (s. weiter unten).

Ein kleiner Garten in San Pedro, Spanien

San Pedro: ein freies Land (fast) ohne Regeln

Was diesen Ort wohl besonders attraktiv macht: Ganz getreu dem Motto “Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein” lebst du in San Pedro frei von gesetzlichen Regulierungen, steuerlichen Hindernissen oder polizeilichen Kontrollen. Solange wie du den Anwohnern und Gästen keinen Ärger bereitest, kannst du dich hier vollkommen auslassen.

Ein paar sinnvolle und zwingend notwendige Gebote hat die Community aufgestellt, die der großen Tafel an der Burgruine in fünf Sprachen zu entnehmen sind: “Bitte benützt die Latrinen, tragt euern Müll nach Las Negras, benützt keine chemischen Produkte, achte die Natur!” - das ist aber auch schon alles.

Schild mit Regeln in Cala San Pedro

Das Begrüßungs-Schild mit den wichtigsten Regeln

In der Vergangenheit kam es aufgrund des immer weiter wachsenden Touristendrang im Sommer wohl zu unangenehmen Situationen, in denen Fäkalien und Müll auf dem ganzen Strand verteilt waren. Seitdem wurden zahlreiche weitere Latrinen (Trockentoiletten) erbaut. Bei meinem Besuch in 2016 war der Strand weitestgehend sehr sauber. Eine tolle Leistung der Gemeinschaft, woran man gut sehen kann, dass die Leute hier sich wirklich um den Erhalt ihres Paradies und der Natur kümmern.

Latrinen-Toilette in San Pedro

Eine der zahlreichen Latrinen-Toiletten in San Pedro

Natürlich findest du in San Pedro viele Leute, die die Gesetzesfreiheit genießen und ausnutzen: Cannabis wird hier geraucht wie Zigaretten in Deutschland, und für die meisten Anwohner ist der Grasanbau der einzige Verdienst überhaupt. Anders als in vielen anderen Communities dieser Art sind hier chemische Drogen aber (zum Glück) kaum bis gar nicht vorhanden, und bis auf sehr wenige Ausnahmen habe ich die hier lebenden Menschen als äußerst friedlich kennengelernt.

Der Hippie-Strand San Pedro in Spanien

Darüber hinaus wird am Strand von San Pedro von vielen Nudismus praktiziert. Einigen Berichten im Netz zufolge würden Menschen in Kleidung hier nicht toleriert - das stimmt aber nicht. Du darfst also gerne auch deine Klamotten anbehalten, solltest aber kein Problem damit haben, nackte Menschen zu sehen, wenn du nach San Pedro kommst.

Dass hier einige das Prinzip der freien Liebe ausleben, muss ich eigentlich kaum noch dazu sagen. Und generell scheut man sich in San Pedro nicht vor Körperkontakt: Gemeinsam nackt Yoga zu praktizieren, obwohl man sich erst seit eben kennt, ist hier praktisch an der Tagesordnung. Du solltest also auf jeden Fall “open-minded” sein, wenn du vorhast, in San Pedro eine gewisse Zeit zu verbringen.

Nackt-Yoga am Strand von San Pedro

Gemeinsames Yoga am Strand - gerne auch mal nackt

So kommst du an den Hippie-Strand von San Pedro

Das Gute vorweg: Obwohl man in Cala San Pedro ein so abgeschiedenes freies Leben führen kann, ist es doch relativ leicht zu erreichen.

Am einfachsten kommst du zum Strand, indem du zuerst nach Las Negras fährst und von dort aus der Schotterpiste nach Norden über die Berge folgst. Verfehlen kannst du diese kaum. Bist du dir nicht sicher, wird dir jeder in Las Negras den Weg zeigen können. Die Piste ist steinig und etwas uneben, aber auch mit einem normalen PKW zu befahren.

Nach ca. zwei Kilometern endet der Weg auf einem großen Parkplatz, auf dem immer einige Camper stehen. Von hier aus geht’s nur noch zu Fuß weiter: Über einen kleinen Wanderweg erreichst du nach zwei weiteren Kilometern San Pedro. Auch wenn der Pfad leicht zugänglich ist, solltest du die Wanderung auf keinen Fall im Dunkeln machen: Stellenweise verläuft der Weg unmittelbar neben steil abfallenden Klippen.

Cala San Pedro vom Wanderweg aus

Cala San Pedro vom Wanderweg aus

Alternativ kannst du auch von Cala del Plomo (nördlich von San Pedro) aus starten. Die Wanderung von hier aus ist etwa doppelt so lang, und der Pfad ist bei Weitem nicht so deutlich zu erkennen. Eine Wanderkarte wäre hierfür ratsam.

Die ganz Bequemen können zudem auch per Boot nach San Pedro schippern: Frag einfach an der kleinen Strandpromenade von Las Negras nach, und man wird dir weiterhelfen. Eine Fahrt kostet in der Regel rund 5 bis 10 Euro.

Wichtig: Deck dich vorher mit Lebensmitteln ein

Falls du planst, länger in San Pedro zu bleiben, solltest du nach Möglichkeit noch vor Las Negras einkaufen. Empfehlenswert ist zum Beispiel Campohermoso - hier gibt’s u.a. ein Mercadona, und ab 2017 auch einen LIDL.

Der Grund: In Las Negras ist ein kleiner Komo-Komo-Markt die einzige Einkaufsmöglichkeit - und hier ist alles überdurchschnittlich teuer. In San Pedro selbst betreiben einige der Anwohner kleine Bars und Restaurants am Strand, aber natürlich ist es hier - vor allem für Backpacker-Verhältnisse - auch nicht gerade günstig. Die Dose Bier kostet um die 2 - 2,50 Euro. (Weitere Preise habe ich nie erfragt, sorry!)

Geheimtipp: Wie oben erwähnt, gibt’s in der San-Pedro-Bucht einige Karobbäume (Johanissbrotbaum). Die braunen Schoten vom Baum sind nicht nur äußerst nahrhaft, sondern auch sehr lecker. Die Kerne soll man wohl nicht essen, sondern nur die Schale. Auf dem großen Hauptplatz findest du diesen gigantischen Karobbaum, der immer genug Schoten für alle bereithält:

Karobbaum am Hippie-Strand San Pedro

Fazit: Wann und wieso San Pedro einen Besuch wert ist

Orte wie San Pedro gibt es nicht viele auf dieser Welt, und in Europa fast gar nicht. Hier schwingen die Vibes der 60er Hippie-Zeiten bis heute, und das Leben geht entspannt und fast zeitlos zu wie in Bali - und das obwohl der Strand im Süden Spaniens liegt, und damit für uns super leicht zu erreichen ist.

Hier lassen sich die Sorgen des hektischen Alltags im Nu vergessen, und einmal eintauchen in eine friedliche, unabhängige Community ohne staatliche Kontrolle oder Unterdrückung. Das Leben in absoluter Freiheit, mit intakter Natur und glasklarem Meerwasser, ist perfekt, um sich eine Auszeit zu gönnen, oder vielleicht auch eine neue Heimat für längere Zeit zu suchen.

Jedoch empfehle ich nicht, im Hochsommer nach San Pedro zu kommen: Hier ist der sonst so ruhige Strand überlaufen von Zelt-Touristen und Backpackern. Für ein paar Wochen herrscht dann Chaos: zu viele Menschen auf zu wenig Platz, und viel zu viel Müll.

Von Herbst bis Frühjahr kann ich die kleine Strand-Oase aber ausnahmslos empfehlen - solange du unvoreingenommen bist, und dich auf eine ganz neue Erfahrung einlassen kannst und willst.

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