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Digitale Auszeit.

Von Strandpartys, Hippiemärkten und Regenbögen.

Cale | | Reisen · Ideen

Während Cindy tatkräftig als Volunteer im Yoga-Center mit anpackt, gönne ich mir seit drei Wochen eine digitale Auszeit. Ich bin offline, vom Netz genommen. Angekommen in der analogen Welt. Was für eine Erleichterung.

Digitale Auszeit - der Luxus unserer Zeit

Dass wir in unserer hochtechnisierten, computerbasierten Gesellschaft einem enormen Informationsfluss ausgesetzt sind, ist dir bekannt. Wenn nicht gerade der Fernseher läuft oder wir eine Website im Netz ansteuern, beschallt uns doch mindestens elektronische Hintergrundmusik. Die Uhren am Armband ticken und beeinflussen maßgeblich unseren Tagesablauf. Das Handy immer dabei - zu jedem Zeitpunkt erreichbar. Dafür mit dem Herzen nie da.

Da ich - noch zusätzlich zur Arbeit am Blog - auch als freiberuflicher Autor und Lektor im Home Office tätig bin, steht der Laptop für mich fast jeden Tag zumindest für ein, zwei Stunden im Mittelpunkt. Für inspiritana.org knipsen wir zudem fleißig Fotos, sobald wir etwas “Sehenswertes” erleben, posten auf unserer Facebook- und Instagram-Seite oder beantworten Mails unserer Leser. Das macht Spaß, und fühlt sich richtig an - trotzdem bindet es an “die digitale Welt”.

Praia Barranco & Hippie-Markt in Barão de São João

Als Cindy also vor drei Wochen zu ihrem Helpx-Projekt gefahren ist, bin ich wieder in den Süden. Zurück an den Praia Barranco, wo wir schon eine Woche vorher waren. Hier gibt es ohnehin keinen Handyempfang, und damit kein Internet. Für mich die perfekte “Ausrede”, um mich vom Netz zu nehmen, um offline zu gehen.

In diesem Zuge lasse ich auch mein Smartphone ausgeschaltet, und lebe ohne Uhrzeit. Das einzige sehenswerte Foto, das ich in der Woche geschossen habe, ein Panorama-Überblick vom Strand mit Parkplatz:

Praia Barranco bei Vila do Bispo

Praia Barranco - Hochburg der alternativen Camper

Stattdessen nutze ich die Zeit, um ein paar analoge Arbeiten anzugehen: Am ersten Tag filtere ich gut 40 Liter Öl, am zweiten räume ich das Auto auf, an den darauffolgenden erledige ich Stück für Stück die restlichen Lackierarbeiten im Innenbereich, insbesondere an den Türen.

Etwa drei, vier Stunden Arbeit am Tag scheint mir ein angemessenes Maß. Die restliche Zeit verbringe ich mit den wundervollen, vielfältigen Menschen auf dem Parkplatz. Man lernt sich schnell kennen, und innerhalb weniger Tage fühlt es sich an wie eine große Familie. Ganz verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Backgrounds und Fahrzeugen jeder Art. Für jeden ist etwas dabei, und jeder versteht sich mit den anderen. Es is ein friedliches, freundliches und sorgenloses Zusammenleben - die Außenwelt ist schnell vergessen. Morgens unterrichte ich meist einige Familienmitglieder im Yoga, und die Nachfrage steigt von Tag zu Tag.

In so einer Atmosphäre ist es für jemanden wie mich ein Leichtes, zu versacken. Und so bleibe ich einige Tage länger als geplant. Als ich in das kleine Community-Haus Casa Barriga zum Unterrichten eingeladen werde, ist das für mich eine gute Gelegenheit, Barranco hinter mir zu lassen. Einen Tag später fahre ich nach Barão de São João zum alternativen Markt, der hier jeden Monat stattfindet. Zwar ist der eigentliche Markt nur am Sonntag, doch reisen viele schon Tage vorher an. Die bekannten Gesichter aus Barranco sind auch da. Man kennt sich - und trifft sich wieder. Zwei Tage Festival-Stimmung kommt auf. Am Sonntag veranstalte ich auch einen kleinen Verkaufsstand mit den Waren, die ich aus Marokko mitgebracht habe. Das Geschäft läuft okay, steht für mich aber im Hintergrund. Es sind zu viele schöne Menschen da, die ich noch kennenlernen will.

Huppiemarkt in Barao de Sao Joao

Der 'Hippiemarkt' in Barao de Sao Joao

Cale auf dem Markt in Barão de São João

Ich & mein kleiner Verkaufsstand

Letztlich mache ich Bekanntschaft mit zwei Backpackerinnen aus der Schweiz, die eben erst in Portugal angekommen sind und keinen Plan haben. Ich möchte den beiden Barranco zeigen, und außerdem drängen Teile der Familie, dass ich nochmal mit zum Strand komme… Also fahre ich nach dem Markt wieder zurück zum Strand. Eine gute Entscheidung: An diesem Abend ergibt sich spontan eine riesige Lagerfeuerrunde - fast jeder vom Parkplatz ist dabei. Live-Musik mit zahlreichen Trommeln, Gitarren und mehr. Kuchen und Brot frisch vom Feuer. Wir feiern ausgiebig, und lange. Es ist unvergesslich.

Von einer Familie zur nächsten - Rainbow Gathering in Portugal

Als ich Barranco letztlich hinter mir lasse, ist meine Stimmung von Melancholie und Nostalgie geprägt. Ich bin traurig darüber, die tollen Menschen hinter mir zu lassen, und sehne mich schnell wieder nach Gesellschaft. Daher treffe ich mich noch am Abend mit Jürgen, einem Freund aus Südtirol, den ich am Barranco kennengelernt habe. Er ist auf dem Weg nach Norden, zum Rainbow Gathering - ich schließe mich ihm an. So fahren wir relativ zügig in drei Tagen bis in die Nähe von Coimbra, wo das Rainbow stattindet. Auf dem Weg dahin: enorme Container-Funde und schöne Schlafplätze am See…

Lebensmittel, Hygiene-Produkte und Getränke aus dem Mülleimer

Container-Fund #1

Obst und Gemüse aus dem Container

Container-Fund #2 - genug für uns und die Rainbow-Familie

Sternenhimmel am Stausee bei Nacht

Kurz nach Sonnenuntergang - Übernachtung am Stausee

Ein Rainbow Gathering ist ein loses Treffen alternativer Menschen unterschiedlicher nationaler und sozialer Herkunft. Friedens- und Umweltaktivisten, Reisende, Aussteiger, Hippies und Ökos treffen sich unter freiem Himmel und verbringen vier Wochen von Neumond zu Neumond miteinander. Das Leben ist simpel und umweltbewusst. Sharing ist Kern des hierarchielosen Konzepts. Es wird zusammen gegessen, getanzt und gesungen. Neuankömmlinge werden mit “Welcome Home”, Küssen und minutenlangen Umarmungen begrüßt. Außenseiter gibt es nicht. Jeder ist dein Bruder oder deine Schwester. Es ist eine große Rainbow Family.

Wir parken unsere Fahrzeuge in der Parking-Area, die etwa 15 Gehminuten vom eigentlichen Rainbow Gathering im Tale entfernt ist. Die Natur ist traumhaft schön, die Menschen überwiegend positiv und offen. Spiritualität, Frieden und Liebe sind zentrale Leitthemen.

Das Tal vom portugiesischen Rainbow Gathering 2017

Das Tal vom portugiesischen Rainbow Gathering 2017

Rainbow Gathering in Portugal 2017

Rainbow Gathering in Portugal 2017

Nach meiner Zeit am Barranco bekomme ich hier genau das, was ich brauche: wunderschöne Menschen, heilende Natur, inspirierende Gespräche und Geborgenheit. Zwar bin ich mit einer schweren Erkältung angereist, doch als ich nach vier Tagen weiterziehe, bin ich wieder kerngesund und super happy.

Gerne wäre ich noch länger geblieben, am liebsten über den Höhepunkt des Vollmonds. Aber die Zeit drängt langsam. Und bald sehe ich Cindy wieder, mit der ich gemeinsam in den Norden Spaniens fahren werde. Ab 11. Mai werde ich dort in einem Ashtanga-Yoga-Center am Fuße der Picos de Europa für drei Wochen die Yoga-Retreats als Volunteer unterstützen. Für diesen Zeitraum habe ich mir auch beruflich freigenommen, und werde wohl weiterhin nur sehr wenig Zeit am Computer verbringen. Wahrscheinlich hörst du also wieder eine Weile nichts von mir. Das tut mir leid, hoffe aber auf dein Verständnis: Im Moment gibt es in der analogen Welt mehr für mich zu tun. Es fühlt sich richtig und wichtig an.

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